Feuchtigkeit und Schimmelpilz - Statistisch betrachtet

Wie schädlich sich Feuchtigkeit auf Menschen und Gebäude in Deutschland auswirken, wurde jetzt erstmalig statistisch erfasst.

Jeder Mensch, der je eine feuchte oder schimmelbefallene Wohnung betreten hat, spürt intuitiv: Hier ist es ungemütlich und ungesund. Das sensible körpereigene Warnsystem sendet sofort Abwehrreaktionen aus, die bei der Wahrnehmung von Schimmel und modrigen Gerüchen vor Krankheiten und Giften warnen. Dass Schimmel als Katalysator für allergene Erkrankungen und Asthma wirkt, ist schon seit langem bekannt und ein unbezweifelter Erfahrungswert. Statistisch gesicherte Angaben dazu und zur Häufigkeit von Feuchtigkeit und Schimmelpilzbefall in deutschen Haushalten liegen allerdings erst seit kurzem vor. Experten verschiedener Disziplinen und Institute nahmen sich seit Ende 2000 dieses Problemkreises im Rahmen einer groß angelegten Vor-Ort-Untersuchung in mehreren Tausend Wohnungen an. Beteiligt waren unter anderem die Universität Jena, die TU Berlin und die TU Dresden. Um repräsentative Ergebnisse zu erhalten, erfolgte die Auswahl der Befragten bzw. ihrer Wohnungen nach dem Zufallsprinzip. Insgesamt wurden bundesweit 5.530 Wohnungen, 18.372 Wohnräume (z.B. Wohnen, Schlafen, Kinder, Arbeiten) und 13.464 Funktionsräume (z.B. Küchen, Bäder, WC) erfasst. Darüber hinaus nahmen die Wissenschaftler 12.132 Interviews zu Allergie- und Asthmaerkrankungen sowie Erkältungen auf.



Die Ergebnisse sind nicht unerwartet, aber durchaus interessant: Danach erhöht schon ein um 100 Gramm pro Tag und Quadratmeter steigender Feuchteeintrag das Risiko von Feuchteschäden um 80 Prozent, das von Schimmelpilz um 30 Prozent. Es ist davon auszugehen, dass bundesweit in mehr als jeder fünften Wohnung sichtbare bzw. bekannte Feuchteschäden auftreten (undifferenziert nach Schadensbild und -ursache), häufig mehrere in einer Wohnung (1.829 Schäden in 1.213 Wohnungen).

Schimmelpilzbefall findet sich in fast jeder zehnten Wohnung. In 62 Prozent dieser Wohnungen steht die Ursache im Zusammenhang mit falschem Lüftungsverhalten und/oder unzureichendem Wärmeschutz. Zu beachten ist hier wie bei allen Ergebnissen eine sehr hohe Dunkelziffer von Schäden, die im Verlauf der Untersuchung nicht zu sehen waren (durch Möbel, Teppiche oder Vorhänge) oder die den Bewohnern selbst verborgen geblieben sind. Als durchgängig risikomindernde Faktoren erweisen sich vor allem eine funktionierende Wärmedämmung, Fenster mit umlaufenden Dichtprofilen (gewertet als Merkmale eines modernen Bauzustandes) sowie das Vorhandensein von Abluftanlagen mit nutzerunabhängigem Betrieb. Wie eine im Jahr 2002 publizierte umfassende Analyse der medizinischen Fachliteratur bestätigt auch die Studie zu Feuchteschäden und Schimmelbefall einen weltweit widerspruchsfreien Zusammenhang zwischen Feuchtebelastung und Erkrankungssymptomen. Auffällig dabei: Schimmelpilz und Feuchteschäden bergen offenbar das gleiche Risikopotenzial für die menschliche Gesundheit. So erhöht das Vorhandensein dieser Faktoren das Asthmarisiko um 50 Prozent, das Allergierisiko um 30 Prozent. Das Risiko von Erkältungskrankheiten nimmt in einer feuchten oder schimmelbefallenen Wohnung ebenfalls um deutliche 50 Prozent zu.

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