Schimmelpilzprobleme durch Hochwasserkatastrophen und deren Folgen
von Dr. Jürgen Vocke, Ö.B.U.V. Sachverständiger
Schimmelwachstum hängt immer zusammen mit erhöhter Feuchte in und auf Baustoffen und anderen Materialien.
Nicht nur eindringendes Wasser aufgrund von überlaufendem Regenwasser verursachen Feuchtschäden. Besonders
extrem ist die Feuchtigkeitsbildung nach Hochwasserkatastrophen bzw. durch Überschwemmungsfolgen.
Diese sogenannten Havarien (seitlich eindringende, aufsteigende, mikroskopische oder Kondensationsfeuchte)
haben zwangsläufig die Notwendigkeit einer Sanierung zur Folge. D.h.: beseitigen Sie immer die Ursache der
Feuchtigkeit und stellen Sie Ausgleichsfeuchte her. Eventuell ist eine Desinfektion von
Schimmelherden durchführen.
Was tun bei Überflutung?
- Klären Sie zuerst, ob andere Bauschäden an Abdichtungen eingetreten sind, d.h. ob z.B. die Außenabdichtung in Folge der rückwärtigen Belastung geschädigt wurde.
- Prüfen Sie, ob aufgrund von Auftrieb oder ähnlichen Ursachen, Risse in der Tragkonstruktion entstanden sind, die neben eventuell statischen Problemen auf jeden Fall Abdichtungsprobleme darstellen können.
- Pumpen Sie so schnell wie möglich das Wasser aus Keller u. Wohnungen. Berücksichtigen Sie, ob außerhalb des Gebäudes noch Wasser ansteht. Ansonsten könnte es durch fehlendes Wasser im Gebäude zu kritischen Auftriebserscheinungen kommen.
- Nach Abpumpen des eingedrungenen Oberflächenwassers muß eine fachgerechte Trocknung erfolgen. In der Regel ist kein Verlass auf natürliche Austrocknung (Heizung, lüften etc.). Diese ist auch aufgrund ihrer Langwierigkeit und der damit verbundenen Nutzungseinschränkungen unzumutbar.
- Die Trocknung der Bausubstanz sollte die Umfassungswände einschließen. Eine sog. Estrichtrocknung bzw. Dämmschichttrocknung kann sinnvoll sein. Dabei ist zu beachten: falls Heizöl oder Fäkalien bzw. Schlammreste oder andere organische Partikel unter den Estrich gelangt sind, macht es aus Sicht des Unterzeichners keinen Sinn eine Trocknung vorzunehmen. Die Verschmutzung unterhalb des Estriches kann nicht entfernt werden. Es sollte ein Abriss erfolgen. Gleiches gilt für eingedrungenes Heizöl in Putze oder andere Baubestandteile. Es kann in der Regel nicht gereinigt werden, sondern muß im Extremfall gekapselt werden. Eine Entfernung des betroffenen Bauteiles ist meist günstiger.
Schimmelbildung durch Überflutung: Sanierungsmaßnahmen
- Ist eine Trocknung nicht sofort möglich. kann es zu Schimmelpilzbildung auf den Oberflächen der Bauteile; in Bauteilen (z.B. unter der Dämmung oder dem Estrich, in der Dämmung von Trockenwandkonstruktionen) kommen. Auch Einrichtungsgegenstände (Teppich, Matratzen, Kleidung, Schuhe u.ä.) können vom Schimmel befallen werden.
- Grundvoraussetzung bei der Sanierung von Schimmelpilz ist: Der Feuchtherd muss erkannt und abgestellt werden
- Die Entfernung von Schimmel-/Schimmelbelägen sollte nach Möglichkeit einer Fachfirma überlassen werden.
Falls die Schimmelbehandlung doch selbst getätigt wird, sind folgende Grundsätze zu beachten:
- Allergiker sollten diese Arbeiten nicht ausführen.
- Tragen Sie Staubmaske und Gummihandschuhe.
- Verwenden Sie Desinfektionsmittel, die dafür geeignet sind. Essig ist zum Beispiel kein geeignetes Mittel, um Baukonstruktionen zu sanieren. Zwar löst Essig relativ schnell die befallenen Stellen, aber aufgrund des "sauren Milieus" neutralisiert bzw. verschiebt man das "alkalische Milieu" des Baustoffes in Richtung neutral bzw. schwach sauer. Dies fördert wiederum ein neues Schimmelwachstum.
- Auf nicht saugenden Untergründen (lackierte Möbel etc.) kann Essigreiniger eingesetzt werden.
- Zur Vorbeugung sollte ein Reiniger mit leicht fungiziden Mitteln verwendet werden. Reiniger, die freie Chlorverbindungen oder ähnliche schädliche Inhaltsstoffe beinhalten und anschließend freisetzen, sollten nach Möglichkeit nicht verwendet werden.
Gründliche Beseitigung der Befallstellen
Obwohl bei Havarieschäden mit Abstellen der Havarie und Trocknung der Stellen, die eigentlichen Ursachen des
Schimmelwachstums beseitigt wurden, sollte auf eine Reinigung und Desinfektion der Befallsstellen mit fungiziden
Produkten nicht verzichtet werden. Aufgrund der erhöhten Anzahl der entstandenen Schimmelsporen, ist die Gefahr
eines Wiederausbruches bei einer kleinsten neuen Anhäufung von örtlicher Feuchtigkeit jederzeit gegeben.
Schimmel an Einrichtungsgegenständen, Mobiliar, Teppich, Kleidung usw.
Egal an oder in welchen Gegenständen sich Schimmelpilzsporen gebildet haben: es gilt der Grundsatz: Feuchtigkeit
entfernen!
- Schimmel auf bzw. in der Kleidung: Die Kleidung sollte so heiß wie möglich gewaschen werden. Bei Hitze empfindlicher Kleidung ist es auch möglich, Desinfektionsmittel zuzusetzen, die aus dem medizinisch - klinischem Bereich stammen. Anschließend die Wäsche gut trocknen. Es sollte größtenteils gewährleistet sein, dass Schimmelsporen abgetötet bzw. entfernt wurden
- Schimmel auf nicht waschbaren Materialien (Leder, Schuhe): Lassen Sie nicht waschbare Materialien von Fachpersonal behandeln. Schimmel ist zwar anfangs nicht in der Lage, Ledergewebe zu zerstören. Je nach Struktur wird es sich aber mehr oder weniger tief in den offenen Bereichen verkrallen und festsetzen. Leder kann mit Desinfektionsmittel und Reiniger behandelt werden, wenn die Optik des Leders darunter nicht leidet
- Schimmel in Matratzen bzw. waschbaren Gegenständen: In der Regel sind Matratzen und ähnliche Gegenstände zu entsorgen. Eine Reinigung und Desinfizierung ist zwar möglich - jedoch mit so hohem finanziellen Aufwand, der nicht im Verhältnis zu einer Neuanschaffung steht.
- Schimmel auf textilen Fußbodenbelägen: Schimmelbefall auf Teppich und ähnlichen Belägen ist ähnlich zu bewerten wie Schimmel in Matratzen. Eine Nassreinigung kann durchgeführt werden. Es ist jedoch nicht sichergestellt, dass die Schimmelsporen restlos entfernt werden. Für Nicht-Allergiker ist die vorhandene Sporenzahl unkritisch wenn keine neue Feuchtigkeit auftritt und somit eine neues Wachstum entsteht
- Schimmel auf Möbeln und anderen Einrichtungsgegenständen: Schimmel auf Gegenständen mit relativ geschlossener Oberfläche ist problemlos mit Desinfektionsmitteln zu entfernen. Der Pilz dringt in der Regel nicht in die Materialstruktur ein, da er nicht in Holz einwachsen kann. Nur bei feinen Rissen in der Oberfläche sollte mit einem chlorfreien Mittel, Alkohol oder alkalischem Reiniger gereinigt werden. Das Ergebnis der Beseitigung hängt von der Oberfläche ab. Deshalb testen Sie vorher an einer verdeckten Stelle.
Schimmel in Baukonstruktionen
Bei Schimmel in Baukonstruktionen z.B. unter dem Estrich oder auch in der eigentlichen Wandkonstruktion sind folgende
Grundsätze zu beachten:
- Schimmel ist im Gegensatz zu bauschädigenden Pilzen wie z.B. Hausschwamm nicht in der Lage die Bausubstanz (mineralische Bausubstanz) zu durchwachsen und zu schädigen. Er kann auch nicht Feuchtigkeit aus anderen Bereichen entziehen. Das heißt, wenn es gelingt die Feuchtigkeit zu entfernen, können Schimmelpilze isoliert bzw. gekapselt werden und sind damit unschädlich.
- Befinden sich Schimmelsporen unterhalb des Estrichs, sollten die Rundfugen geschlossen werden. Dadurch können die Schimmelsporen nicht an die Oberfläche gelangen und sind auch nicht in der Lage, Wasser aus anderen Bereichen heranzuziehen. Sie liegen somit "tot" unter dem Estrich. Eine Gefährdung der Gesundheit und der Baukonstruktion besteht nicht.
Sind Sie Experte und besitzen sehr gute Kenntnisse im Bereich Schimmelpilz? Haben Sie Interesse einen Artikel zu diesem Thema zu verfassen?
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Autor: Dr. Jürgen Vocke, Ö.B.U.V. Sachverständiger
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