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| Thema: Schimmel in der Wohnung - Klimaplatten??? |
Seiten (1): [1] | |
18.08.2010, 22:54 | | Moonchild Unregistriert
| Hallo,
ich bin auf der Suche nach Meinungen zum Thema Klimaplatten auf diese Seite gestoßen und hoffe, mir kann hier jemand einen guten Rat geben.
Wir wohnen in einer Altbauwohnung (1. Etage), die zu einer Seite hin (Schlafzimmer, Abstellkammer und Küche) eine Außenwand hat, das damals angrenzende Haus wurde vor längerem abgerissen - seither ist die Wand also "ungeschützt". Das Haus steht (laut Vermieter) unter Denkmalschutz, weshalb eine Außenisolierung nicht vorhanden und nicht möglich ist.
Kurz zum Hintergrund: Wir bewohnen die Wohnung seit etwa einem Jahr, letzten Sommer, beim Einzug, war sie frisch gestrichen und wir hatten keine Probleme. Im Januar fielen uns dann Schimmelflecken auf - Schlafzimmer Außenwandecken oben und unten, sowie auf der gegenüberliegenden Seite in der Küche in der unteren Ecke. Die Möbel haben wir weggerückt gelassen und die Stellen mit Fungizid behandelt, außerdem bewusstes "Lüftverhalten" eingeführt und ausreichend geheizt (sogar die Küche). Dennoch, und das war mit am beunruhigendsten, hatten wir jeden Morgen viel Kondenswasser an den Fenstern dieser Räume. Seit es wärmer geworden ist, stehen bei uns die Fenster eigentlich immer offen, für Belüftung sollte also gesorgt sein.
Seit etwa 2 Monaten sind mein Mann und ich permanent "krank" - Kopfschmerzen, Müdigkeit, morgens sind die Nebenhöhlen verstopft, Husten (der immer schlimmer wird) und allgemeine Mattigkeit. Nachdem kein Auskurieren wie bei normalen Infekten half, dachte ich wieder an den Schimmel und wir schoben alle Schränke von der Außenwand weg - die Wand im Schlafzimmer zeigt auf der gesamten Länge feuchte Flecken. Außerdem riecht unsere Kleidung in den Schränken muffig und vieles fühlt sich feucht an.
Die Hausverwaltung wurde informiert (im Januar habe ich lediglch den Hausmeister angerufen, der ebenfalls mit Baumarkt-Fungizid anrückte) und reagierte sofort. Also war ein Fachmann bei uns, der sich den Schaden ansehen und eine Lösung finden sollte. Dieser warf kaum einen Blick auf den Schimmel, sondern sagte sofort, er werde ein Angebot für Klimaplatten machen. Er warf hier und da ein Rotlicht an die Wand (Vermessung??) und war insgesamt sehr wenig auskunftsfreudig. Auf Nachfrage, was der Einbau dieser Klimaplatten nun praktisch bedeutet sagte er, wir könnten die Räume wie gewohnt nutzen, man würde die Tapete abreißen, die Platten ankleben und überstreichen und dass das Ganze etwa eine Woche dauern würde (aufgrund der relativ großen Fläche).
Nun zu meinen Fragen:
1. Muss in einer solchen Situation die Wand nicht zunächst trocken gelegt werden, bevor irgendetwas draufgeklebt wird? Das heißt, können die Klimaplatten wirklich auf eine von Schimmel befallene Wand angebracht werden?
2. Wenn wir schon jetzt Atemwegsbeschwerden haben, wie können wir dann in der Wohnung verbleiben, in diesen beiden Räumen auch noch schlafen und kochen, wenn dort die Tapete abgerissen und die Schimmelsporen aufgewirbelt werden? Wäre es nicht ratsamer, dass wir die Wohnung in der Zeit verlassen? Wie gesagt, der Fachmann sagte uns, wir könnten die Räume problemlos nutzen...
3. Wir schlafen inzwischen im Wohnzimmer und ich wasche unsere gesamte Kleidung nach und nach, die nun auch nicht mehr in diesen Räumen verbleibt. Kann ich eine Mietminderung verlangen, da die Räume in meinen Augen nur sehr begrenzt und definitiv nicht für ihren eigentlichen Zweck nutzbar sind?
4. Hat jemand Erfahrung mit diesen Klimaplatten und werden sie wirklich Herr dieses Problems? Wie wurde der Einbau vorgenommen, wie lange hat es gedauert?
Hat jemand Tipps, Ratschläge oder Erfahrungen für uns? Wir sind wirklich ratlos und würden, wenn dies möglich wäre, am liebsten morgen ausziehen..
Ich hoffe, ich habe nicht zu weit ausgeholt und alle wichtigen Informationen für eine erste Beurteilung gegeben und freue mich über jede Antwort. | | Beiträge: n/a | eMail | | | 19.08.2010, 18:37 | | SV Merx Besucher
Wohnort: 36391 Sinntal Registriert: Aug 2010 | Vor dem Entfernen der Tapete sollte diese mit einem Sporenbinder eingestrichen werden (das kann einfach verdünnter Kleister sein) damit die Sporen nicht so stark aufgewirbelt werden. Die mit Schimmelpilz befallenen Putzflächen sollten dann mit einem Anti-Schimmelmittel behandelt werden. Sind diese zu stark befallen, sollten sie evtl. ganz entfernt und durch einen neuen Kalkputz ersetzt werden. Der Neuputz muss ausreichend trocknen. Danach können die Klimaplatten vollflächig aufgeklebt werden. Nach der Trocknung können sie dann gespachtelt, mit einem mineralischen Putz überzogen oder mit Silikatfarbe gestrichen werden. Sicher gibt es Belästigungen wegen des Staubes und des Arbeitsbetriebes, eine erhöhte Sporenbelastung ist jedoch auszuschließen, wenn vorab die oben beschriebene Schimmelbehandlung durchgeführt wird. Zur Abschottung kann aber wenn möglich auch eine Staubschutzwand errichtet werden.
Eine Mietminderung scheint angemessen zu sein, dies sollten Sie aber mit den Mieterschutzbund oder einem Anwalt klären.
Schimmelfreie Grüße
Jochen Merx
www.Schimmel-Sachverstaendiger.com
Schimmelfreie Grüße
Jochen Merx
www.Schimmel-Sachverstaendiger.com | | Beiträge: 21 | Profil | eMail | Homepage | Dabei seit: 636 Tagen | | | 19.08.2010, 22:14 | | Moonchild Besucher
Wohnort: Halle (Saale) Registriert: Aug 2010 | Vielen Dank für die hilfreichen Informationen. So sind wir nicht völlig hilflos und unwissend, wenn der ganze Prozess losgeht.
Ich denke, aufgrund des Umfangs der Arbeiten (eine komplette Wand und die jeweiligen äußeren Seitenwände sollen bearbeitet werden) werden wir alles mit Folie abdecken und die Räume in dieser Zeit nicht nutzen.
Da wir mit der Hausverwaltung sehr zufrieden sind und sie bisher immer sehr entgegekommend war (nicht zuletzt dieses Problem betreffend) hatte ich vor, eine Mietminderung zunächst allein auszuhandeln und wollte daher morgen mit der Verwalterin telefonieren.
Sollte ich dennoch vorher Rechtsberatung in Anspruch nehmen?
Herzlichen Dank noch einmal. | | Beiträge: 1 | Profil | eMail | Dabei seit: 637 Tagen | | | 19.08.2010, 23:57 | | SV Merx Besucher
Wohnort: 36391 Sinntal Registriert: Aug 2010 | Warten Sie ruhig erst mal ab, was bei diesem Gespräch herauskommt, wenn es für Sie zufriedenstellend verläuft, brauchen Sie auch keine Rechtsberatung einzuschalten.
Schimmelfreie Grüße
Jochen Merx
www.Schimmel-Sachverstaendiger.com | | Beiträge: 21 | Profil | eMail | Homepage | Dabei seit: 636 Tagen | | | 23.08.2010, 11:01 | | D. Sperr Unregistriert
| Hallo,
bei einer Schimmelfläche über 0,5 m² (und so erscheint es hier) sollten Sie nicht "irgend jemanden" daran basteln lassen, sonder sich vergewissern, dass ein "kompetender" Fachmann dies beurteilt (und das war der von der HV sicher nicht) und die notwendigen Maßnahmen bestimmt. Diese finden Sie z. B. hier oben bei "Hilfe vor Ort".
Auch bei der Bezeichnung "Anti-Schimmelmittel" bekomme ich Bauchschmerzen. Was soll das sein? Alkohol, H2O2 (mit/ohne Salicylsäure), Jati, auf Chlorbasis....?
Ohne weitere Definition werden die Meisten wahrscheinlich zu
chlorhaltigen Mitteln (weil von Baumärkten empfohlen) greifen und dies ist für den Menschen ungesünder wie für den Schimmel. Oder Alkohol?.. und bei der Gelegenheit das traute Heim abfackeln.. man ist ja Laie.
Darum: http://www.schimmelpilz.de/hilfevorort/index.php
oder einen SV Ihres Vertrauens.
Gruss D. Sperr | | Beiträge: n/a | eMail | | | 23.08.2010, 17:53 | | SVMoeller Besucher
Wohnort: München Registriert: Jul 2010 | Seit dem Abriss des Nachbargebäudes hat die Wohnung einen Mangel, der zur Auskühlung der Zwischenwand, jetzt Außenwand, führt. Wände zwischen beheizten oder teilweise beheizten Räumen müssen nicht die gleichen Anforderungen für den hyhienischen Wärmeschutz zur Vermeidung von Schimmelpilz, wie Außenwände, genügen. Wenn auf beiden Seiten der Wand Raum- oder Treppenhaustemperaturen vorhanden sind, kühlt die Wand nicht so stark aus, wie eine Außenwand.
Wenn ein Nachbargebäude mit Trennwand abgerissen wird, muss der Wärmeschutz (d.h. die Außenwanddämmung) auf der freiglegten Trennwand nachgebessert werden. Wenn die freigelegte Zwischenwand tatsächlich dem Denkmalschutz unterliegt oder eine Grenzbebauung vorliegt, kommt nur die Dämmung auf der Innenseite in Betracht.
Klimaplatten auf Calzium-Silikatbasis sind für Innendämmungen geeignet. Sie sind teuer und haben einen mäßigen Lambda-Wert. Dies fürhrt zu einer wesentlich dickeren Dämmschicht, als mit anderen Systemen, die auch preiswerter sind. Es gibt spezielle Innenwanddämmsysteme mit besseren Dämmeigenschaften und geringeren Kosten.
Zum fachmännischen Trocknen und der Beseitigung des Schimmelpilzbefalls wurde das Notwendige bereits gesagt. Zur Sicherheit sollten Sie bei Abschluss der Sanierungsarbeiten eine Luftkeim-Messung durchführen zu lassen, um sicherzustellen, dass der Wohnraum nicht mit Schimmelpilz-Sporen kontaminiert ist.
Zu Ihren Fragen:
1. Der Schimmelpilz muss sachgerecht entfernt und die Wand vor der Anbringung der Dämmung getrocknet werden.
2. Schimmelpilzbefall hat grundsätzlich eine Gesundheitsgefährdung. Eine Untersuchung des Schimmelpilzbefalls (Klebefolien- oder Abklatschporobe) kann einen Aufschluss geben, welche Schimmelpilztypen vorhanden sind und welche speziellen Symptome von ihm ausgehen. Diese Information dient eher dem Arzt, als der Entscheidung, ob der Wohnraum trotz Schimmelpilzbefall bewohnt werden soll. Schimmelpilze müssen in jedem Fall entfernt werden.
3. Eine Mietminderung ist grundsätzlich dann möglich, wenn die Mietsache nicht magelfrei ist und der Vermieter die Mängel nicht beseitigen lässt. Dies ist ein juristisches Thema, das ein Anwalt oder Experten des Mieterschutzbundes beantworten sollten.
4. Die Anbrinung der Innenwanddämmung kann innerhalb weniger Tage erfolgen (inkl. Maleratrbeiten).
Thomas Möller - Schimmelpilz-Sachverständiger (TÜV-geprüft)
www.schimmelpilz-gutachter.com | | Beiträge: 673 | Profil | eMail | Homepage | Dabei seit: 675 Tagen | | | 24.08.2010, 09:27 | | D. Sperr Unregistriert
| | Zitat von SVMoeller: |
Es gibt spezielle Innenwanddämmsysteme mit besseren Dämmeigenschaften und geringeren Kosten.
|
... und welche sollen das sein?
Ich kenne da nur Mineralschaumplatten. Die sind tatsächlich billiger als Klimaplatten. Die sind mit der WLG 040 nicht schlecht, erfordern je nach Berechnung des gesamten Wandaufbaus aber auch nicht unerheblich an Aufbaustärke. Und es es ist so ziemlich das einzige taupunktunabhängige System. Ich denke "dünner" gehts von innen nicht... | | Beiträge: n/a | eMail | | | 26.08.2010, 09:48 | | SVMoeller Besucher
Wohnort: München Registriert: Jul 2010 | Für Innenwanddämmung ist das IQ-Therm 30 / IQ-Therm 50 System von Remmers geeignet. Dieses System gibt es ab 30 mm Stärke. Das Medium ist PUR mit WLS um ca. 030.
http://www.remmers.de/Produkte.108+M52374fd67ee.0.html#bot
Zur Vermeidung von Schimmelpilz sind oft nur geringe Dämmstärken erforderlich.
Thomas Möller - Schimmelpilz-Sachverständiger (TÜV-geprüft)
www.schimmelpilz-gutachter.com | | Beiträge: 673 | Profil | eMail | Homepage | Dabei seit: 675 Tagen | | | 26.08.2010, 11:06 | | D. Sperr Unregistriert
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Erst mal kurz zu den Kosten. 50 Euros bzw. 70 Euros (bei IQ Term 50) pro m² ist ja wohl nicht wirklich günstig.
Zum zweiten ist alles was mit Kunststoff zu tun hat (PUR) egal ob durch "Löcher" eine gewisse Kapillaraktivitäthergestellt wird, nicht wirklich geeignet bei Schimmelproblemen. U. a. deswegen, da diese Platten aus diesem Grund faktisch keine Alkalität haben was ein wichtiges Kriterium ist. Außerdem ist so ein Bruchteil einer selbstgebastelten Kapillarwirkung vollkommen indiskutabel gegnüber "hydrophilen", alkalischen Mineralschaumplatten wie z. B. die Ambio von Getifix. Die kostet überigens in 50 mm ca. 18,50 Euronen Netto.
Ist schon ein kleiner Unterschied - oder.
Und wenns denn rein um Feuchtigkeitsverwaltung und Schimmel geht, würde ich noch eher eine zellstoffverstärkte Klimaplatte auf CS-Basis (rein Mineralisch bis auf den Zellstoffanteil = organisch) nehmen, und die Kosten bei 30 mm nur 40 Euronen Netto.
Darauf wollte ich mit meiner Nachfrage hinaus. Denn in diesem Bereich unterliegen sehr Viele, sehr vielen Irrtümern. Und der Markt ist vollgemüllt mit den kuriosesten Dingen, welche im Innendämmungs- bzw. Schimmelsanierungssektor mitverdienen wollen.
Gruß D. Sperr | | Beiträge: n/a | eMail | | Seiten (1): [1] |
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