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| Thema: Schimmelpilz |
Seiten (1): [1] | |
28.11.2004, 00:58 | | JoergBoerg Besucher
Wohnort: Münster Registriert: Nov 2004 | Hallo allerseits!
Wir wohnen seit April diesen Jahres in einer Altbauwohnung im Erdgeschoß. Die Wohnung war komplett renoviert (neuer Innenputz, neue Tapeten und Anstrich). Der Vermieter wies uns darauf hin, daß das Haus schlecht isoliert sei und wir keine großen Möbel (z.B. Schränke) direkt an die Außenwände stellen sollten - taten wir auch nicht.
Vor 2 Wochen entdeckten wir in unserem Keller leichten Schimmelbefall hinter einem Karton. Der Vermieter wies uns erneut darauf hin, daß wir zu allen Außenwänden einen Abstand von ca. 10cm einhalten sollen. Da wir neben unserem Bett einen kleine Kommode direkt an der Wand stehen hatten, haben wir diese vor 3 tagen "sicherheitshalber" entfernen wollen und auf einer Breite von 50cm und einer Hohe von 30cm grünen Schimmelpilz entdeckt. Diese Kommode hatten wir vor 2 Monaten noch weggerückt, ohne Schimmel gesehen zu haben. Daraufhin haben wir hinter dem Kleiderschrank, der ca. 3-5cm von der Wand ab stand, auch leichten Befall entdeckt.
Der Vermieter sagte uns darafhin, daß bei der Vormieterin ebenfalls Schimmel gefunden wurde und er deswegen den Putz erneuerte und davon ausging, damit das Problem gelöst zu haben. Er sagte, daß die Kälte wohl von unten in die Wände zöge und das deises Problem nur an den Außenwänden bestünde.
Im Verlauf des Abends haben wir dann jedoch an der Wand zum Nachbarhaus (dort befindet sich ein Treppenhaus) hinter unserem Sofa, das direkt an der Wand stand, starken Schimmelbefall (dunkelgrüne und schwarze Flecken, die dahinterliegende Wand war auch schimmelbefallen, im Schlafzimmer dagegen war der Putz "nur" feucht) entdeckt, der sich von dieser Stelle dann hinter den Fußleisten entlang bis zum Ende der Wand zog.
Am nächsten Morgen kam der Vermieter mit einem "Fachmann" vorbei, der nach Besichtigung (keinerlei Messung) erklärte, daß die Feuchtigkeit seiner Meinung nach von unten kommt. Er schlug eine Methode namens "Verpressung" vor. Dabei werden im Abstand von ca. 10cm Löcher in die Wand gebohrt und unter Hochdruck eine Kunstharz-Masse in das Mauerwerk geschossen, die das Mauerwerk versiegeln und ein weiteres Aufsteigen der Feuchtigkeit verhindern sollen. Diese Methode wird er nächste Woche im Keller an den Außenwänden (auch zum Nachbarhaus) unterhalb der Decke durchführen.
Wir würden daher gerne wissen, ob diese Methode wirklich geeignet ist, die Ursache der Schimmelbildung dauerhaft zu lösen.
Wie lange dauert es, bis wir z.B. danach wieder tapezieren können, die Wand also wieder richtig trocken ist?
Gibt es eine Möglichkeit, die momentane gesundheitliche Belastung in der Wohnung zu messen?
Wir haben bis jetzt alle befallen Stellen entfernt (Tapeten entfernt, Sofa weggeschmissen) und den Putz mit einer Lösung aus 80% Ethyalkohol (Brennspiritus) und 3% Salicylsäure und Wasser eingesprüht (Tipp vom Umweltamt und einigen Internetseiten).
Können wir noch etwas tun?
Vielen Dank im Voraus,
Jörg Schröder | | Beiträge: 1 | Profil | eMail | Dabei seit: 2733 Tagen | | | 28.11.2004, 23:05 | | KOBOTEC Ingenieurbüro, Paderborn Besucher
Wohnort: Paderborn Registriert: Jul 2004 | Hallo Herr Schröder!
Die Methode der Verpressung ist nur dann wirksam, wenn es sich wirklich um eine Mauerwerksdurchfeuchtung, bzw das gemeinhin als "aufsteigende Feuchtigkeit" bekannte Phänomen handelt.
Liegen die Ursachen dagegen woanders, wie zB in der Kondensation von Feuchtigkeit auf kalten Oberflächen, ist die gesamte Aktion "für die Katz"! Auch dem Problem der "von unten durch das Mauerwerk kriechenden Kälte" ist damit nicht beizukommen.
Wie man die Ursachen ganz ohne Messungen eruieren, erhärten und letztendlich auch explizit nachweisen kann, bleibt das gut behütete Geheimnis des Herrn, der diese sicherlich nicht gerade preiswerte Sanierung empfohlen hat.
Wie lange die Wandflächen trocknen müssen, bevor sie wieder mit gutem Gewissen beklebt werden können, hängt ua von der Menge der gespeicherten Feuchtigkeit ab. Weiterhin ist die Art der Durchfeuchtung ausschlaggebend: Handelt es sich um oberflächig eingedrungene Kondensatfeuchte, geht es relativ fix. Ist dagegen der gesamte Mauerwerksquerschnitts betroffen, sollten zusätzliche Trocknungsmassnahmen ergriffen werden. Laut Sanierungsempfehlung liegt ja wohl der zweitgenannte Lastfall vor. Fragen Sie doch spaßeshalber einmal den Spezialisten ;-) !
Selbstverständlich kann eine Schadstoffmessung durchgeführt werden. Da Sie aber die Hauptemmissionsquellen in Form der befallenen Tapeten entfernt haben und einem Wiederbefall mit der Alkohollösung verbeugen, halte ich eine solche Messung nicht für notwendig!
Ausnahme: Wenn sich in der Wohnung Menschen mit geschwächtem Immunsystem dauerhaft aufhalten, sollten weitere Massnahmen ergriffen werden. Diese sollten jedoch auf die individuelle Situation zugeschnitten und wohlüberlegt sein. Ein pauschaler "analytischer Rundumschlag" ist nicht sinnvoll. Eine kurze Beschreibung der Risikogruppen finden Sie auf unserer Homepage unter "Informationen -> Allergien".
Als weitere Massnahme empfehle ich Ihnen, die Raumluftfeuchte und Temperatur mittels eines Thermo-/Hygrometers stetig zu kontrollieren und dabei zu versuchen, die Luftfeuchte zwischen 45 und 55% einzupegeln. Lesen Sie bitte auch dazu auf unseren Seiten unter "relative Luftfeuchte".
Ach ja: Und beten Sie, dass der gute Mann mit seiner "Meinung" richtig liegt....! ;-) Sonst weint Ihr Vermieter demnächst bittere Tränen ob der völlig sinn- und nutzlos eingesetzten Geldmittel!
Viel Glück wünscht Ihnen Rainer Bold.
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KOBOTEC Paderborn
Ingenieurbüro für Raumklimaanalyse
Ihr Ansprechpartner : Rainer Bold
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